Willkürliche Festnahmen bei Demonstrationen gegen Studiengebühren - Leserbrief
May 27th 2006 @ 6:38 pm aktuelles, Studiengebühren

Nachdem ich diesen Artikel im Darmstädter Echo lesen musste sah ich mich dazu veranlasst einen Leserbrief zu schreiben, um klarzustellen, was wirklich passiert ist. Lest selbst:

Zum Artikel “Auf Messers Schneide am Kennedyplatz” vom 26. Mai im Korrepondenten-Teil des Darmstädter Echo.

Mit Erstaunen haben ich dieses Zitat ihrem Artikel entnommen: „Später kommt es aber noch zu einer Reihe von Festnahmen, als der harte Kern von Protestierern partout nicht auseinander gehen will.“ Tatsächlich war das Geschehen wesentlich anders:
Der Großteil der Demonstranten (inklusive derer die vorher die Schienen blockiert hatten) zogen zum Brunnen vor dem Luisencenter. Vor der Sparkasse blieben einige Grüppchen stehen, die nichts weiter mit der noch laufenden Demonstration zu tun hatten bzw. haben wollten. Die Durchsagen der Polizei, dass dieses Gelände zu räumen sei, konnte man nicht verstehen, da die Megaphone der Studenten um einiges lauter waren. Auch ich stand mit fünf Freunden vor der Sparkasse unter einem Baum und hoffte bald mit der Bahn heimfahren zu können. Keinerlei Aggression oder ähnliches ging von uns aus. Keiner der diversen umstehenden Polizisten forderte uns dazu auf, das Gelände zu verlassen.
Plötzlich kamen etwa 20-30 Polizisten aus Richtung Rheinstraße und kesselten uns mit etwa 20 anderen Leuten, die ebenfalls ausnahmslos friedlich waren, ein.
Wir wurden einzeln abgefertigt und unsere Personalien wurden aufgenommen. Von den Polizisten durften wir uns Aussagen wie „Das kommt euch jetzt teurer als Studiengebühren“ oder „Und, war das die Vorstrafe wert“ anhören. Uns wurde mitgeteilt, dass wir eine Anzeige wegen Nötigung, Blockierung des Schienenverkehrs und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetzt bekommen würden. Drei von uns durften gehen. Auch ich gehörte zu denen, die das Glück hatten „nur“ einen Platzverweis und die Anzeige zu bekommen. Den anderen er ging es nicht so gut. Sie wurden nach einer Stunde in einem Gefangenentransporter zum Polizeipräsidium in die Klappacher Straße gebracht. Der Gang zur Toilette wurde ihn bis dahin untersagt. Hier wurden sie zu acht in eine gekachelte Zelle gesperrt. Keiner der hier Inhaftierten hatte zu irgendeiner Zeit auf Schienen gesessen, oder die Straße blockiert. Etliche wurden anschließend zur Autobahnpolizei vor Griesheim gefahren und dort Erkennungsdienstlich behandelt (Fotos, Fingerabdrücke etc.). Nachts gegen halb zwei wurden sie dann zum Hauptbahnhof gebracht, von wo natürlich kein Zug mehr Richtung Eberstadt fuhr. Die Festgenommenen, die auf dem Polizeipräsidum geblieben waren, wurden ebenfalls erkennungsdienstlich behandelt und um etwa Mitternacht entlassen.
Mir drängt sich die Frage auf, ob man mit solchen überzogenen Aktionen friedliche Demonstranten, die gegen jedwede Gewalt sind, mundtot machen will. Oder wollte man ein Exempel an einfachen Opfern statuieren?

-Trigger
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  1. Ivo
    May 28th, 2006 | 10:30 am | #1

    > Mir drängt sich die Frage auf, ob man mit solchen überzogenen Aktionen friedliche Demonstranten, die gegen jedwede Gewalt sind, mundtot machen will. Oder wollte man ein Exempel an einfachen Opfern statuieren?

    Man will, dass “politische Entscheidungen” hingenommen werden. Ansonsten droht der Erkennungsdienst. Und wer einmal erkannt ist, …

  2. commi
    June 2nd, 2006 | 9:21 pm | #2

    Was für ein verfaultes System in dem einerseits beklagt wird, dass sich immer weniger Menschen an poltischer Entscheidungsfindung beteiligen wollen und andererseits jeder Widerspruch mit massiver Staatsgewalt bekämpft wird?
    Das eigentlich Problem ist aber, dass uns ständig eingetrichtert wird diese und jene “Reformen” müssen eben sein. Im Endeffekt hat der Kapitalismus und seine “Mehrparteien-Diktatur” seine Unfähigkeit mehr als genug bewiesen und es wäre Zeit für eine Umwälzung, damit es auch mal wieder wirklich vorwärts geht mit dem Wohle aller Menschen….